|
Prackendorfer und Kulzer Moos
|
Vielfalt auf kleinstem Raum
Im Prackendorfer und Kulzer Moos wurde erst relativ spät und wesentlich kleinflächiger Torf
abgebaut, wobei die Höhe des Dammweges etwa der ehemaligen Geländeoberkante des Moores entspricht. Auf Grund
der geringeren Eingriffe, auch hinsichtlich des Wasserhaushaltes, haben sich ausgedehnte zwischen- und
hochmoorartige Bereiche erhalten. Wassergefüllte Vertiefungen (Schlenken) wechseln sich mit herausgehobenen
Bulten ab. Besonders entlang des Hauptdammes bedinden sich - wie im Vordergrund - auch einige Moortümpel,
oder Mooraugen.
Charakteristisch für die offenen Wasserflächen ist der hochsommerliche Blütenflor des Südlichen Wasserschlauchs.
Noch interessanter als die hübsche Gelbfärbung ist seine ungewöhnliche Nahrungsbeschaffung. Wie der Sonnentau ist auch der
Wasserschlauch auf eine zusätzliche Stickstoffversorgung angewiesen. Mit Hilfe kleiner Fangblasen an den
Unterwasserblättern erbeutet er nach dem Unterdruckprinzip Wasserflöhe, Ruderfußkrebse und sonstiges
Kleingetier. Verdauungssäfte ermöglichen eine effiziente Nährstoffaufnahme.
|

Fangvorgang beim Wasserschlauch (10-fache Vergrößerung)
|

Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis) Blütezeit: Juli-September |
Die aus raschwüchsigen Torfmoosen aufgebauten Bulte können ebenfalls nur von
Spezialisten bsiedelt werden. Neben Moosbeere und Besenheide finden sich hier vor allem Rosmarinheide,
Scheidiges Wollgras und Rauschbeere. Alle genannten Arten besitzen Schutzmechanismen gegen die auf den Bulten
erhöhte Strahlungsintensität und zeitweise Trockenheit.
Mit dem Emporwachsen und damit abnehmender Durchfeuchtung geht gleichzeitig der Torfmoosanteil zurück,
bis die Höhenentwickung schließlich aufhört. Durch ungestörtes Torfmooswachstum im Bereich der besser wasserversorgten
Zwischenflächen wird der Bult allmählich wieder eingeholt und entsteht an anderer Stelle neu.
In den nassen Schlenken gedeiht neben flutenden Torfmoosen vor allem die Weiße Schnabelbinse und als
Rarität der Mittlere Sonnentau. Im Gegensatz zu seinem rundblättrigen Artverwandten erträgt er auch
eine Überflutung seiner Blattrosette.

Mittlerer Sonnenbau (Drosera intermedia) Blütezeit: Juni-August |

Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) Höhe: bis 60 cm Blütezeit: Mai Fruchtreife: August |

Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum) Höhe: bis 80 cm |

Rosmarinheide (Andromeda polifolia) Höhe: 20 cm Blütezeit: Mai |

Mittleres Torfmoos (Sphangnum magellanicum) |
|
Tiere im Moor
Das Prackendorfer Moos ist wegen seiner teilweise extremen
Standortverhältnisse vergleichsweise arm an Tierarten.
Am ehesten werden Sie noch den geschickten Flug prächtig gefärbter Libellen bewundern können.
Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h sind keine Seltenheit. Mit etwas Glück wird Ihnen vielleicht
sogar ein Paarungrad vorgeführt. Im Tierreich ist diese Begattungsmethode einzigartig.
|

Paarungsrad bei Libellen
|

Torf-Moosjungfer (Aeshna juncea) Größe: ca. 7,5 cm |
Schmetterlinge meiden hingegen blütenarme Moorflächen. Die wenigen hier
vorkommenden Arten sind ausgesprochene Spezialisten. Zu ihnen gehört der Hochmoor-Perlmuttfalter,
dessen Raupen als Futterpflanze auf die Moosbeere angewiesen sind.
Wegen des sauren Wassers sind Amphibien ebenfalls rar. Nur die etwas nährstoffreicheren Randzonen
können besiedelt werden. Hier hat der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch sein zu Hause. Zur Paarungszeit
im Frühjahr legen die Männer ein himmelblaues Hochzeitskleid an.

Schwarzstorch (Ciconia nigra) Größe: ca. 97 cm |

Moorfrosch (Rana arvalis) Größe: 7,5 cm |

Waldschnepfe (Scolopax rusticola) Größe: bis 34 cm |
Unter den Vögeln im Prackendorfer Moos sind Baumpieper und Fitis häufig.
Auch die bodenbewohnende Waldschnepfe ist mit einzelnen Brutpaaren vertreten. Bis Mitte der 70er
jahre wurde sogar das Birkhuhn nachgewiesen. Heute geht im Moor der Schwarzstorch auf Nahrungssuche.
Gefährdung von Mooren
Von ehemals 59.000 ha Hochmoorflächen in Bayern sind heute nur noch ca. 8.000 ha (= 13 %)
erhalten. Entwässerung, Nutzungsintensivierung und Torfabbau sowie Nährstoffeintrag aus Nachbarflächen haben sie zu
echten Raritäten werden lassen. Ein zunehmendes Problem ist auch die schleichende Veränderung der Nährstoffverhältnisse
durch Stickstoffeintrag aus der Luft. 50 % der Moorbewohner stehen bereits auf den Roten Listen !!
|
Besonders im "Oberen Moos", wo wir uns jetzt befinden, dominiert auf größerer Fläche
ein Moorbirkenwald. Mit ihrer weiß-grauen Rinde gibt sich die Moorbirke dabei sofort zu erkennen. Sie ist eine der
wenigen Baumarten, die auf nasskalten und sauren, nährstoffarmen Moorstandorten gedeihen können. Im Gegensatz zur
weit verbreiteten Sand- oder Hängebirke wachsen auch die jungen Zweige der meist knorrigen Moorbirke aufrecht,
die behaarten Blätter haben eine mehr eiförmige und nicht so sehr eckige Form.
Dank ihres ungeheuren Samenreichtums und spezieller Flugeinrichtugen vermag sich die Moorbirke au feuchten,
nicht mehr genutzten Standorten sehr schnell anzusiedeln. Im Laufe der Jahre kann sie geschlossene Wälder
bilden, die Teilen nacheiszeitlicher Waldlandschaften ähneln. Gelegentlich sorgt dabei die Kiefer
für etwas Auflockerung.
Nur an wenigen Stellen findet man hingegen Einzelexemplare der Spirke, einer aufrechten Form der Bergkiefer
(Latsche), die sich in ihrer bundesweiten Verbreitung auf wenige süddeutsche Mittelgebirge und das
Alpenvorland beschränkt. Erkennungsmerkmal ist vor allem ihr bis zu Krone dunkel gefärbter Stamm
(Rinde der Kiefer rotbraun).
In der teilweise dichten Struchschicht fallen im Herbst die schwarz-roten, schwach giftigen Früchte des
Faulbaums auf, der ebnso wie die Ohrweide nasse Füße liebt. Für Farbtupfer im Unterwuchs sorgen die leuchtend-gelben
Blütensterne des Gilbweiderichs, während der Schachtelhalm als eine der ältesten bekannten Pflanzengatungen
mehr durch seine urweltliche Form auffällt.
Das Zwitschern im Geäst verrät uns, dass im Moorbirkenwald auch einige Vögel ihr Zuhause haben, z. B.
Zilpzalp, Grauspecht oder Buchfink. An lichteren Stellen finden sich auch Schmetterlinge wie der seltene
Trauermantel ein.

Moorbirke (Betula pubescens) Höhe: bis 30 m, Alter: bis über 100 Jahre |

Hängebirke (Betula pendula) Höhe: bis 30 m Alter: bis zu 120 Jahre |

Kiefer (Pinus sylvestris) Höhe: bis 40 m Alter: bis zu 600 Jahre |

Spirke (Pinus mugo ssp. uncinata) Höhe: bis über 10 m Alter: bis über 200 Jahre |

Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) Höhe: 50 cm |

Buchfink (Fringilla coelebs) Größe: 15 cm |

Trauermantel (Nymphalis antiopa) Größe: ca. 6 cm |

Gewöhnlicher Gilbweiderich (lysimachia vulgaris) Höhe: bis 100 cm Blütezeit: Juni-August |
|
Erlenbuchwald
|
Auf Stelzen im Wasser
Der bisherige Spaziergang hat uns größtenteils durch Birken-Moorwälder, zuletzt
auch vorbau an forstlich eingebrachten Fichtenbeständen mit artenarmen Kraut- und Strauchschichten,
geführt. Demgegenüber wird das Wäldchen, an dem wir uns jetzt befinden, von einer neuen Baumart geprägt:
der Schwarzerle. Irgend etwas muss sich also geändert haben.
Auffällig ist, dass die Bäume einen Großteil des Jahres unter Wasser sstehen. Der Grund hierfür ist
Quellwasser, das von den nahen Berghängen an die Oberfläche tritt und auf diese Weise für ständigen
Feuchtigkeits- und Nährstoffnachschub sorgt. Der Säuregehalt des Wassers ist deutlich niedriger als
beispielsweise im Zwischenmoorberich. Dadurch wird das Gedeihen der Schwarzerle erst ermöglicht.
Zudem sind Schwarzerlen in der Lage, mit Hilfe von Knöllchenbakterien im Wurzelbereich Luftstickstoff
zu binden und damit weitere Standortverbesserung zu betreiben.

Schwarzerle (Alnus glutinosa) Höhe: bis 25 m Alter: bis 120 Jahre |

Ohrweide (Salix aurita) Höhe: bis 25 m Alter: bis 120 Jahre |

Faulbaum (Frangula alnus) Höhe: bis 7 m |
Der schlammige Oberboden - als Bruchwaldtorf bezeichnet - wird durch das Herbstlaub
der Schwarzerle erzeugt. Über das mittlere Niveau des Grundwasserspiegels kann er allerdings
nicht emporwachsen, weil bei Luftzutritt rasch Zersetzungsvorgänge in Gang kommen.

Sumpfdotterblume (Caltha palustris) Höhe: bis 60 cm Blütezeit: April-Juni |

Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus) Höhe: 50 - 120 cm Blütezeit: Mai-Juni |

Walzenegge (Carex elongata) Höhe: 30-80 cm |
Die früher übliche Niederwaldnutzung der wenigen Erlenbestände im Schutzbebiet
wird heute nicht mehr betrieben.
In Abschnitten von etwa 15 - 30 Jahren wurden dabei Teilflächen "auf den Stock gesetzt", h. h. die etwa armdicken
Stämme wurden mit dem Beil abgeschlagen und als Brennholz verwendet.
Mehrstämmige Bäume und einige Baumstümpfe an der Gehölzbasis geben noch heute Zeugnis von dieser
ehemaligen Nutzungsform. Zwischen ihren aus dem Wasser herausragenden Stelzwurzeln hat die Schwarzerle
immer wieder von neuem ausgetrieben.

Stockausschlag |

Bergmolch (Triturus alpestris) Größe: bis 11 cm |

Grasfrosch (Rana temporaria) Größe: bis 10 cm |
Wegen des extrem nassen Bodens bleiben Kräuter und Sträucher wie Ohrweide
oder Faulbaum größtenteils auf den Wurzelteller um den Erlenstock beschränkt. In den feuchteren Berichen
wachsen Walzensegge, Sumpfdotterblume oder Schwertlilie. Der Grasfrosch hat im gesamten Moor hier seinen
einzigen Laichplatz. Auch der Bergmolch wurde schon beobachtet.
|
Charakteristisch für Moore sind extreme Standortverhältnisse:
dauernde Vernässung der Bodenschichten bei gleichzeitigem Luftmangel
saures Bodenwasser (niedriger pH-Wert) und niedrige Bodentemperaturen
Nährstoffarmut und starke Temperaturdifferenzen.
Nur speziell angepasste Lebensgemeinschaften aus robusten Spezialisten können unter diesen harten Bedingungen
überdauern. Einige dieser Überlebenskünstler werden Ihnen später begegnen.
Wie entstehen Moore?
Ein großer Teil unserer heimischen Moore ist aus Seen (1) entstanden. Von der Verlandung über eine Sumpflandschaft bis hin zum
Moor vergehen dabei einige hundert bis mehrere tausend Jahre.
Erstes Zwischenstadium auf diesem Weg ist die Bildung eines Flach- oder Niedermoores (2). Ausgedehnte Schilfbereiche
sowie Seggen, Binsen und krautige Pflanzen dominieren. Die Nährstoffversorgung ist noch gut, das
Pflanzenwachstum und die Artenvielfalt üppig.
In den ständig durchfeuchteten Beständen breiten sich nach und nach Torfmoose aus. Unter Luftabschluss
entstehen ausgeprägte Torfschichten. Nur tief wurzelnde Pflanzen haben noch Kontakt zum Grundwasser.
Ein sogenanntes Zwischenmoor (3) ist entstanden, Nährstoffgehalt und pH-Wert sinken rapide.
Mit dem weiteren, uhrglasförmigen Emporwachsen der Mooroberfläche wird die Verbindung zum Grundwasser
schließlich vollständig unterbrochen. Die Wasserversorgung erfolgt fortan nur noch durch das fast
nährstofffreie Regenwasser. Nur ganz wenige Spezialisten können in solchen Hochmooren (4) überleben.
Auch das "Prackendorfer und Kulzer Moos" hat seinen Ursprung wahrscheinlich in einer offenen, nicht sehr
tiefen Wasserfläche, die wegen ihrer Muldenlage und wasserstauender Schichten im Untergrund allmählich
verlandete. Alle Moortypen sind hier vertreten.
Abhängig vom Nährstoff- und Wassergehalt des Bodens sowie seiner nutzungsbedingten Vergangenheit
findet man deshalb ganz unterschiedliche Vegetationsformen. Offene Bereiche mit wassergefüllten Vertiefungen und
herausspitzenden Torfmoospolstern wechseln sich ab mit dichten Moorwäldern, bunte Wiesenflächen
werden abgelöst von artenreichen Magerrasen oder Staudenfluren.
Welche Bedeutung hat ein Moor?
Moorlandschaften gehören heute zu den seltensten und wertvollsten Landschaftselementen. Sie erfüllen zahlreiche
Funktionen im Naturhaushalt und haben auch für die Erforschung der Erdgeschichte große Bedeutung.
Insbesondere zeichnen sich Moore aus als
Wasserspeicher
Lebnsraum hochangepasster Tier- und Plfanzenarten
(einige Eiszeitrelikte konnten nur in Mooren überdauern)
kleinklimatische Ausgleichsflächen
Brennstofflieferant
wertvolle Zeugen der Vergangenheit (Konservierung von alten Kulturgegenständen u. Pflanzenresten
der letzten 4000 - 5000 Jahre)
Damit sind auch Rückschlüsse auf das jeweils herrschende Klima sowie die Auswirkungen des
wirtschaftenden Menschen auf die Planzendecke möglich.
|
Pfeifengrasbrache/Streuwiese
|
Auf dem bisherigen Weg ist Ihnen sicher ein Gras besonders aufgefallen,
das sich durch seine großen Horste und strahlig nach allen Richtungen abstehenden Halme hervorhebt. Hier haben wir es mit
dem Pfeifengras zu tun. man findet es vor allem an wechselfeuchten Standorten, wie den alten Stichwegen
oder der ehemaligen Torfdarre vor uns. Reizvoll ist vor allem seine braun-rote Herbstfärbung.
Der Name kommt daher, dass Pfeifengräser auf Grund ihrer langen und bis fast zur Wurzelbasis kntoenfreien Halme
gerne zum Reinigen der früher beliebten, langen Pfeifen verwendet wurden. Auch zu Besen sind die herbstlich
harten, widerstandsfähigen Stoppeln verarbeitet worden.
Wegen seiner beträchtlichen Konkurrenzkraft duldet das Gras in Brachestadien kaum andere Begleiter neben sich.
Vereinzelt können sich mit der Besenheide und der Blutwurz - der Name des alten Hausmittels stammt vom
rötlichen Wurzelsaft beim Auskochen - zwei Arten hinzugesellen, die ebenfalls in eher trockenen Moorbereichen vorkommen.

Blutwurz (Potentilla erecta) Höhe: bis 30 cm Blütezeit: Mai-August |

Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) Höhe: 15 - 40 cm Blütezeit: Juli-September |

Besenheide (Calluna vulgaris) Höhe: bis 30 cm Blütezeit: Juli-September |
Dei freie Fläche im Vordergrund wurde nach Beendigung der Torflagerung noch
regelmäßig, und zwar im Herbst, gemäht. Das gewonnene Mähgut fand dann im Stall als Einstreu und
Strohersatz Verwendung. Noch weitaus großflächiger wurde die Streunutzung in den besser nutzbaren - da
weniger nassen Randbereichen - betrieben (Niedermoorstandorte östlich der Straße Kulz-Dautersdorf).
Die Herbstmahd ohne zusätzliche Düngung führte hier zu einer fortschreitenden Nährstoffverarmung und damit
zu immer ertragsärmeren, aber blumenreichen Wiesen. Das Rot der Knabenkräuter wird dabei abgelöst vom
Gelb der Schwarzwurzel und Arnika; spät im Jahr entfalten Lungenenzian, Teufelsabbiss und Heilziest ihre Blütenköpfe.
Wie diese Arten ist auch das Pfeifengras an den späten Schnitt angepasst. Die Nährstoffe werden schon im
Sommer in oberflächennahe bzw. unterirdische Organe zurückverlagert, fallen also der Herbstmahd nicht zum
Opfer. Im folgenden Jahr kann der Nährstoffvorrat dann ohne Verluste wieder mobilisiert werden.

Breitblättriges Knabenkraut (Cactylorhiza majalis) Höhe: 15 - 40 cm Blütezeit: Mai-Juni |

Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) Höhe: 10-40 cm Blütezeit: Mai-Juni |

Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis) Höhe: ca. 30 cm Blütezeit: Juni-September |

Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) Höhe: 30-100 cm Blütezeit: Juni-September |

Heilziest (Stachys officinalis) Höhe: 20-70 cm Blütezeit: Juni-August |
|
Ein interessaner Tagfalter der Pfeifengraswiesen ist der Wiesenknopf-Ameisenbläuling.
Er besticht durch seine besondere Fortpflanzungsbiologie. Nach dem Schlüpfen bohren sich die kleinen Raupen
in Blütenknospen des Großen Wiesenknopfes. 2 bis 3 Wochen später und um einiges dicker, lassen sie sich
dann kurz vor der Dämmerung wieder aus der Blume fallen. Einige der Raupen werden schließlich von Ameisen
gefunden, in deren Nest getragen und wie Eigenbrut behandelt. Nach der Verpuppung schlüpfen im Juli die
fertigen Schmetterlinge.

Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) Größe: ca. 3 cm |

Pfeiengras (Molinia caerulea) Höhe: bis 200 cm |

Arnika (Arnica montana) Höhe: ca. 40 cm Blütezeit: Juli-August |
Im "Prackendorfer und Kulzer Moos" sind artenreiche Streuwiesen nur noch
vereinzelt und sehr kleinflächig zu finden. Für den Artenschutz haben sie herausragende Bedeutung.
Der größte Teil ist aber durch Düngung heute in produktive Mehrschnittwiesen überführt worden.
Pflegemaßnahmen sollen helfen, die letzten Reste zu erhalten. |
|
Torfstich
|
Torfnutzung hat Tradition
Seit ca. 4.000 Jahren unterliegen Moorflächen in Mitteleuropa einer mehr oder
minder intensiven Nutzung. Bereits seit Beginn der Bronzezeit erfolgte Brenntorfgewinnung. Luftgetrocknete,
ziegelförmige Torfstücke bildeten eine Grundvoraussetzung für die Kupfer- und Zinnschmelze zur Bronzeherstellung.
Die Torfnutzung in großem Umfang setzte sich aber erst mit der Holzverknappung in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts durch, bis sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Kohlefeuerung allmählich abgelöst
wurde.
Im Kulzer Moos reicht die Torfgewinnung mindestens bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits 1868
wurde die durchschnittlich 3-4 m mächtige Torfdecke auf einer Fläche von ca. 198 Tagwerk (66 ha)
genutzt, vorzugsweise in den Monaten Mai bis Juli. Im August erfolgte mit Ochsenkarren der Abtransport.
Hierzu wurden jene Wege benutzt, die uns heute als Lehrpfad dienen. In manchen Jahren haben bis zu
200 Menschen im Moor gearbeitet.
Die heute verfallene Ziegelei am Nordrand des Kulzer Mooses nahm ihren Betrieb etwa um 1900 auf. Bei
der Ziegelherstellung wurde auch Brenntorf aus dem Moor gefeuert. Nach dem 2. Weltkrieg musste sie wegen
Unrentabilität aufgegeben weren. Anfang der 60er Jahre endete schließlich auch die Torfnutzung im Gebiet.
Torfstechen war Knochenarbeit
Dem Handtorfstich ging eine weitläufige Entwässerung des Gebietes durch ein verzweigtes Grabensystem voran.
Zunächst musste die nicht nutzbare, stark durchwurzelte Deckschicht abgehoben werden. Sie fand als "Bunkerde"
zur Verfüllung bereits ausgebeuteter Torfstiche Verwendung. Jetzt erst konnte der anstehene Torf gestochen
bzw. bei zu flüssiger Form in Holzrahmen "gemodelt" werden. Dei Abtorfung vorher geräumter, durch Zwischendämme
abgetrennter Flächen erfolgte immer Richtung Erschließungsweg, in dessen Nähe sich Lagerplatz und Torfdarre befanden.
Rechts von uns sehen wir einen solchen Ort zum Trocknen der Torfziegel. Die leicht gewölbte Form rührt von Verarbeitungsresten bzw.
zerfallenen Torfstücken her. Diese wurden zu Stapeln aufgestockt, wobei sich jeweils nur die Enden berührten,
um eine möglichst effiziente Durchlüftung zu gewährleisten. Gelegentlich war auch ein Umschichten (Ringeln) notwendig.
Wahrscheinlich auf Grund umfangreicher Einträge saurer Wässer während der Torflagerung ist die gesamte
Lagerfläche bis heute unbewachsen. |
Handtorfstich während des Abbaus
 |
Handtorfstich nach Abbauende
 |
|

|
Umweltschutz durch Torfverzicht
Auch heute ncoh werden jährlich mehr als 11 Mio. m³ Torf abgebaut, nun
jedoch fast ausschließlich maschinell mit modernen Stechapparaten oder Fräsen. Als Lieferant organischer
Substanz zur Bodenverbesserung sind Moorsubstrate vor allem im Gartenbau leider nach wie vor sehr
gefragt. Die gleichwertige Verwendung von Kompost ist ein aktiver Beitrag zur Moorerhaltung, der auch von
jedem Gärtner geleistet werden sollte. Jeder, der einen Ballen Torf kauf, trägt zur Vernichtung einer
der wertvollsten und seltensten Lebensräume unserer Landschaft bei!! |
|
Zwischenmoor/Niedermoor
|
Torfmoose - ein Winzling als Baumeister
Wir stehen hier zwischen zwei ehemaligen Torfstichen. Nach Beendigung des Torfabbaus
haben sich die Mulden wieder mit Wasser gefüllt. Die Verlandung der Tümpel ist bereits deutlich fortgeschritten.
Mit seiner hellgrünen Farbe fällt uns der von den Rändern vordringende Torfmoos-Teppich sofort ins Auge.
Als Hauptbestandteil von Zwischen- und Hochmooren ist das Torfmoos hervorragend an die extremen Bedingungen
dieser Standorte angepasst. Vor allem drei Eigenschaften verschaffen dem hochspezialisierten Winzling - von
dem es in Deutschland mehr als 30 unterschiedliche Vertreter gibt (auch gelbbraune bis rote Formen) - Konkurrenzvorteile:
|
Torfmoose nehmen selbst geringste Mengen Nährsalze auf und geben im Gegenzug Wasserstoffionen
an die Umgebung ab, die für die zunehmend saure und damit für andere Pflanzen immer lebensfeindlichere Reatktion des
Wassers verantwortlich sind. Konkurrenten werden im Wuchs gehindert.
Torfmoose wachsen mit ihrer schopfartigen Spross-Spitze praktisch grenzenlos und sterben an der
Basis wegen Luftabschluss wieder ab. Der nur unvollständige Abbau der Pflanzenteile lässt immer mächtigere
Torflager entstehen, die durch immer neue Torfmoosjahrgänge nach und nach zusammengepresst werden.
Insgesamt beträgt das Höhenwachstum eines intakten Moores etwa 0,5 - 1,5 mm pro Jahr, d. h. 1 m Torf braucht
zu seiner Entstehung etwa 1.000 Jahre.
Torfmoose sind in der Lage, das 30-fache ihres Eigengewichts an Wasser zu speichern. Im Gegensatz
zu höheren Pflanzen besitzen sie keine Saugwurzeln, sondern nehmen die Feuchtigkeit direkt mit ihren
Blättern auf. |
 |
Nur Überlebenskünstler haben eine Chance
Wollen andere Pflanzen zwischen den Torfmoospolstern gedeihen, müssen sie
zur Nährstoffbeschaffung spezielle Tricks anwenden. Eine besondere Perfektion hat dabei der Sonnentau
entwickelt. Das kleine Pflänzchen mit seinen unscheinbaren, weißen Blüten gehört zur Gruppe der
fleischfressenden Pflanzen. Die Blätter tragen auf kleinen Stielchen zahlreiche klebrige Verdauungsdrüsen.
Gerät ein Insekt in diese roten Klebefallen, wird es von den Drüsenhaaren umschlossen und fast vollständig verdaut.
Auf diese Weise deckt der Sonnentau einen Teil seines Stickstoffbedarfs aus dem Eiweißgehalt der
Beutetiere. Bei genauerem Hinsehen können Sie den Lebenskünstler im Torfmoos-Teppich direkt vor
Ihnen entdecken. Bitte nicht entfernen! Diese Pflanze gedeiht nur im Moor!
Mit seinen kleinen, länglichen Blättchen versteckt sich hier noch ein weiterer charakteritischer
Vertreter der Zwischenmoore, die Moosbeere. Der kriechende Zwergstrauch gehört zur Familie der Heidekrautgewächse,
die auf lokal trockeneren Stellen im Moor gedeihen. Die Moosbeere hat sich ebenfalls an die schwierigen
Lebensbedingungen angepasst. Das Problem der Nährstoffarmut löst sie durch Zusammenleben der
Wurzeln mit einem Pilz (sog. Mykorrhiza). Diese Symbiose ermöglicht ihr die effiziente Aufnahme
der spärlichen Bodennährstoffe.
Mehr dem Niedermoorbereich zuzurechnen sind die Pflanzenbestände im Hintergrund. Im Sommer entzückt
hier das Wollgras mit seinen weißen, nickenden Wollschöpfen. Wie viele Moorgräser und Seggen gehört es zur
Familie der Sauergräser. Auch die Flatterbinse ist reichlich vertreten. Bunte Farbtupfer im Frühjahr und
Frühsommer setzen vor allem Fieberklee und Moorveilchen, später auch das besonders im verlandeten,
kleineren Torfstich hinter uns üppig wuchernde Sumpf-Blutauge. |

Spieß - Torfmoos (Sphangnum cuspidatum) |

Flatterbinse (Juncus effusus) Höhe: 30 - 120 cm |

Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium) Höhe: bis 70 cm Fruchtreife: ab Juni |

Schnabelsegge (Carex rostrata) Höhe: 30 - 100 cm |

Fieberklee (Menyanthes trifoliata) Höhe: bis 30 cm Blütezeit: April-Mai |

Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) Höhe: 5 - 25 cm Blütezeit: Juni-August |

Sumpf - Blutauge (Comarum palustre) Höhe: bis 30 cm Blütezeit: Juni-August |

Moosbeere (Oxycossos palustris) Triebe: bis 80 cm lang Blütezeit: Mai-Juni |

Moorveilchen (Viola palustris) Höhe: 10 cm Blütezeit: Mai-Juni |
|