Moorlehrpfad - Kulzer und Prackendorfer Moos

Wir laden Sie ein, auf einem ca. 3 km langen Rundgang das größte Moorgebiet im Naturpark Oberpfälzer Wald zu erleben.

Das seit 1987 geschützte Moor südlich von Kulz hat eine Fläche von ca. 80 ha. Hier leben zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen, darunter mehr als 100 gefährdete Arten der Roten Listen. Wegen der extremen Standortverhältnisse mit dauernder Vernässung, saurem Bodenwasser und Nährstoffarmut können fast nur robuste Spezialisten überdauern. Viele Bewohner des Moores kommen deshalb im weiteren Umkreis nur hier vor.

Mit dem Moorlehrpfad haben Sie die Möglichkeit, in diese schützenswerte Welt einzutauchen. Sie werden durch urwüchsigen Moorwald streifen, geheimnisvolle Moorgewässer entdecken sowie auch einiges über die frühere Moornutzung erfahren.

Wir wünschen Ihnen dabei viel Spaß und ein interessantes Naturerlebnis.
 

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Liebe Besucherinnen und Besucher,

herzlich willkommen im Naturschutzgebiet "Prackendorfer und Kulzer Moos"!

Wir laden Sie ein, auf einem ca. 3 km langen Rundweg das größte Moorgebiet im Naturpark zu erleben. Das seit 1987 geschützte Moor südlich von Kulz hat eine Fläche von ca. 80 ha. Hier leben zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen, darunter mehr als 100 gefährdete Arten der Roten Listen. Viele Bewohner des Moores kommen im weiten Umkreis nur hier vor!

Mit dem Moorlehrpfad haben Sie die Möglichkeit, in diese schützenswerte Welt einzutauchen. Sie werden durch urwüchsigen Moorwald streifen, geheimnisvolle Moorgewässer entdecken sowie auch einiges über die frühere Moornutzung erfahren.

Doch bitte denken Sie daran:
Moore sind äußerst empfindliche, störanfällige Naturschönheiten. Erfreuen Sie sich am Anblick der moortypischen Tier- und Pflanzenwelt, ohne ein Souvenir mitzunehmen oder Abfälle zurückzulassen.

Vor allem:
bleiben Sie bitte auf dem markierten Rundweg, um unnötige Beunruhigungen
der Tierwelt sowie Trittschäden an der Vegetation zu vermeiden.

Querfeldein ist voll daneben!
Ein Betreten des Moorkörpers außerhalb der gekennzeichneten Strecke bedeutet Lebensgefahr! Hunde bitte unbedingt an die Leine nehmen.

Wir danken für Ihr Verständnis,
wünschen Ihnen viel Spaß und ein interessantes Naturerlebnis.

 

Prackendorfer und Kulzer Moos

Vielfalt auf kleinstem Raum

Im Prackendorfer und Kulzer Moos wurde erst relativ spät und wesentlich kleinflächiger Torf abgebaut, wobei die Höhe des Dammweges etwa der ehemaligen Geländeoberkante des Moores entspricht. Auf Grund der geringeren Eingriffe, auch hinsichtlich des Wasserhaushaltes, haben sich ausgedehnte zwischen- und hochmoorartige Bereiche erhalten. Wassergefüllte Vertiefungen (Schlenken) wechseln sich mit herausgehobenen Bulten ab. Besonders entlang des Hauptdammes bedinden sich - wie im Vordergrund - auch einige Moortümpel, oder Mooraugen.

Charakteristisch für die offenen Wasserflächen ist der hochsommerliche Blütenflor des Südlichen Wasserschlauchs. Noch interessanter als die hübsche Gelbfärbung ist seine ungewöhnliche Nahrungsbeschaffung. Wie der Sonnentau ist auch der Wasserschlauch auf eine zusätzliche Stickstoffversorgung angewiesen. Mit Hilfe kleiner Fangblasen an den Unterwasserblättern erbeutet er nach dem Unterdruckprinzip Wasserflöhe, Ruderfußkrebse und sonstiges Kleingetier. Verdauungssäfte ermöglichen eine effiziente Nährstoffaufnahme.


Fangvorgang beim Wasserschlauch
(10-fache Vergrößerung)


Südlicher Wasserschlauch
(Utricularia australis)
Blütezeit: Juli-September

Die aus raschwüchsigen Torfmoosen aufgebauten Bulte können ebenfalls nur von Spezialisten bsiedelt werden. Neben Moosbeere und Besenheide finden sich hier vor allem Rosmarinheide, Scheidiges Wollgras und Rauschbeere. Alle genannten Arten besitzen Schutzmechanismen gegen die auf den Bulten erhöhte Strahlungsintensität und zeitweise Trockenheit.

Mit dem Emporwachsen und damit abnehmender Durchfeuchtung geht gleichzeitig der Torfmoosanteil zurück, bis die Höhenentwickung schließlich aufhört. Durch ungestörtes Torfmooswachstum im Bereich der besser wasserversorgten Zwischenflächen wird der Bult allmählich wieder eingeholt und entsteht an anderer Stelle neu.

In den nassen Schlenken gedeiht neben flutenden Torfmoosen vor allem die Weiße Schnabelbinse und als Rarität der Mittlere Sonnentau. Im Gegensatz zu seinem rundblättrigen Artverwandten erträgt er auch eine Überflutung seiner Blattrosette.


Mittlerer Sonnenbau
(Drosera intermedia)
Blütezeit: Juni-August

Rauschbeere
(Vaccinium uliginosum)
Höhe: bis 60 cm
Blütezeit: Mai
Fruchtreife: August

Scheidiges Wollgras
(Eriophorum vaginatum)
Höhe: bis 80 cm

Rosmarinheide
(Andromeda polifolia)
Höhe: 20 cm
Blütezeit: Mai

Mittleres Torfmoos
(Sphangnum magellanicum)

Tiere im Moor

Das Prackendorfer Moos ist wegen seiner teilweise extremen Standortverhältnisse vergleichsweise arm an Tierarten.

Am ehesten werden Sie noch den geschickten Flug prächtig gefärbter Libellen bewundern können. Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h sind keine Seltenheit. Mit etwas Glück wird Ihnen vielleicht sogar ein Paarungrad vorgeführt. Im Tierreich ist diese Begattungsmethode einzigartig.


Paarungsrad bei Libellen


Torf-Moosjungfer
(Aeshna juncea)
Größe: ca. 7,5 cm


Schmetterlinge meiden hingegen blütenarme Moorflächen. Die wenigen hier vorkommenden Arten sind ausgesprochene Spezialisten. Zu ihnen gehört der Hochmoor-Perlmuttfalter, dessen Raupen als Futterpflanze auf die Moosbeere angewiesen sind.

Wegen des sauren Wassers sind Amphibien ebenfalls rar. Nur die etwas nährstoffreicheren Randzonen können besiedelt werden. Hier hat der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch sein zu Hause. Zur Paarungszeit im Frühjahr legen die Männer ein himmelblaues Hochzeitskleid an.



Schwarzstorch
(Ciconia nigra)
Größe: ca. 97 cm

Moorfrosch
(Rana arvalis)
Größe: 7,5 cm

Waldschnepfe
(Scolopax rusticola)
Größe: bis 34 cm



Unter den Vögeln im Prackendorfer Moos sind Baumpieper und Fitis häufig. Auch die bodenbewohnende Waldschnepfe ist mit einzelnen Brutpaaren vertreten. Bis Mitte der 70er jahre wurde sogar das Birkhuhn nachgewiesen. Heute geht im Moor der Schwarzstorch auf Nahrungssuche.

Gefährdung von Mooren

Von ehemals 59.000 ha Hochmoorflächen in Bayern sind heute nur noch ca. 8.000 ha (= 13 %) erhalten. Entwässerung, Nutzungsintensivierung und Torfabbau sowie Nährstoffeintrag aus Nachbarflächen haben sie zu echten Raritäten werden lassen. Ein zunehmendes Problem ist auch die schleichende Veränderung der Nährstoffverhältnisse durch Stickstoffeintrag aus der Luft. 50 % der Moorbewohner stehen bereits auf den Roten Listen !!

 

Birken - Moorwald

Wie in vielen anderen Mooren hat der wirtschaftende Mensch auch im Prackendorfer und Kulzer Moos in der Vergangenheit seine Spuren hinterlassen. Durch Moorenewässerung - einen Entwässerungsgraben haben wir gerade auf Bohlen überquert - wurde die biologische Zersetzung der organischen Torfsubstanz eingeleitet. Der zunehmend trockenere Boden konnte vermehrt von Gehölzen besiedelt werden.



Besonders im "Oberen Moos", wo wir uns jetzt befinden, dominiert auf größerer Fläche ein Moorbirkenwald. Mit ihrer weiß-grauen Rinde gibt sich die Moorbirke dabei sofort zu erkennen. Sie ist eine der wenigen Baumarten, die auf nasskalten und sauren, nährstoffarmen Moorstandorten gedeihen können. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Sand- oder Hängebirke wachsen auch die jungen Zweige der meist knorrigen Moorbirke aufrecht, die behaarten Blätter haben eine mehr eiförmige und nicht so sehr eckige Form.

Dank ihres ungeheuren Samenreichtums und spezieller Flugeinrichtugen vermag sich die Moorbirke au feuchten, nicht mehr genutzten Standorten sehr schnell anzusiedeln. Im Laufe der Jahre kann sie geschlossene Wälder bilden, die Teilen nacheiszeitlicher Waldlandschaften ähneln. Gelegentlich sorgt dabei die Kiefer für etwas Auflockerung.

Nur an wenigen Stellen findet man hingegen Einzelexemplare der Spirke, einer aufrechten Form der Bergkiefer (Latsche), die sich in ihrer bundesweiten Verbreitung auf wenige süddeutsche Mittelgebirge und das Alpenvorland beschränkt. Erkennungsmerkmal ist vor allem ihr bis zu Krone dunkel gefärbter Stamm (Rinde der Kiefer rotbraun).

In der teilweise dichten Struchschicht fallen im Herbst die schwarz-roten, schwach giftigen Früchte des Faulbaums auf, der ebnso wie die Ohrweide nasse Füße liebt. Für Farbtupfer im Unterwuchs sorgen die leuchtend-gelben Blütensterne des Gilbweiderichs, während der Schachtelhalm als eine der ältesten bekannten Pflanzengatungen mehr durch seine urweltliche Form auffällt.

Das Zwitschern im Geäst verrät uns, dass im Moorbirkenwald auch einige Vögel ihr Zuhause haben, z. B. Zilpzalp, Grauspecht oder Buchfink. An lichteren Stellen finden sich auch Schmetterlinge wie der seltene Trauermantel ein.


Moorbirke
(Betula pubescens)
Höhe: bis 30 m, Alter: bis über 100 Jahre

Hängebirke
(Betula pendula)
Höhe: bis 30 m
Alter: bis zu 120 Jahre

Kiefer
(Pinus sylvestris)
Höhe: bis 40 m
Alter: bis zu 600 Jahre

Spirke
(Pinus mugo ssp. uncinata)
Höhe: bis über 10 m
Alter: bis über 200 Jahre

Sumpf-Schachtelhalm
(Equisetum palustre)
Höhe: 50 cm

Buchfink
(Fringilla coelebs)
Größe: 15 cm

Trauermantel
(Nymphalis antiopa)
Größe: ca. 6 cm

Gewöhnlicher Gilbweiderich
(lysimachia vulgaris)
Höhe: bis 100 cm
Blütezeit: Juni-August
 

Erlenbuchwald

Auf Stelzen im Wasser

Der bisherige Spaziergang hat uns größtenteils durch Birken-Moorwälder, zuletzt auch vorbau an forstlich eingebrachten Fichtenbeständen mit artenarmen Kraut- und Strauchschichten, geführt. Demgegenüber wird das Wäldchen, an dem wir uns jetzt befinden, von einer neuen Baumart geprägt: der Schwarzerle. Irgend etwas muss sich also geändert haben.

Auffällig ist, dass die Bäume einen Großteil des Jahres unter Wasser sstehen. Der Grund hierfür ist Quellwasser, das von den nahen Berghängen an die Oberfläche tritt und auf diese Weise für ständigen Feuchtigkeits- und Nährstoffnachschub sorgt. Der Säuregehalt des Wassers ist deutlich niedriger als beispielsweise im Zwischenmoorberich. Dadurch wird das Gedeihen der Schwarzerle erst ermöglicht. Zudem sind Schwarzerlen in der Lage, mit Hilfe von Knöllchenbakterien im Wurzelbereich Luftstickstoff zu binden und damit weitere Standortverbesserung zu betreiben.



Schwarzerle
(Alnus glutinosa)
Höhe: bis 25 m
Alter: bis 120 Jahre

Ohrweide
(Salix aurita)
Höhe: bis 25 m
Alter: bis 120 Jahre

Faulbaum
(Frangula alnus)
Höhe: bis 7 m

Der schlammige Oberboden - als Bruchwaldtorf bezeichnet - wird durch das Herbstlaub der Schwarzerle erzeugt. Über das mittlere Niveau des Grundwasserspiegels kann er allerdings nicht emporwachsen, weil bei Luftzutritt rasch Zersetzungsvorgänge in Gang kommen.


Sumpfdotterblume
(Caltha palustris)
Höhe: bis 60 cm
Blütezeit: April-Juni

Gelbe Schwertlilie
(Iris pseudacorus)
Höhe: 50 - 120 cm
Blütezeit: Mai-Juni

Walzenegge
(Carex elongata)
Höhe: 30-80 cm


Die früher übliche Niederwaldnutzung der wenigen Erlenbestände im Schutzbebiet wird heute nicht mehr betrieben.

In Abschnitten von etwa 15 - 30 Jahren wurden dabei Teilflächen "auf den Stock gesetzt", h. h. die etwa armdicken Stämme wurden mit dem Beil abgeschlagen und als Brennholz verwendet.

Mehrstämmige Bäume und einige Baumstümpfe an der Gehölzbasis geben noch heute Zeugnis von dieser ehemaligen Nutzungsform. Zwischen ihren aus dem Wasser herausragenden Stelzwurzeln hat die Schwarzerle immer wieder von neuem ausgetrieben.


Stockausschlag

Bergmolch
(Triturus alpestris)
Größe: bis 11 cm

Grasfrosch
(Rana temporaria)
Größe: bis 10 cm


Wegen des extrem nassen Bodens bleiben Kräuter und Sträucher wie Ohrweide oder Faulbaum größtenteils auf den Wurzelteller um den Erlenstock beschränkt. In den feuchteren Berichen wachsen Walzensegge, Sumpfdotterblume oder Schwertlilie. Der Grasfrosch hat im gesamten Moor hier seinen einzigen Laichplatz. Auch der Bergmolch wurde schon beobachtet.

 

Moor ist nicht gleich Moor

Seit dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10 000 Jahren sind Moore überall dort entstanden, wo die Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile aus Mangel an Sauerstoff stark gehemmt war. Im Gegensatz zu anderen Lebensräumen erzeugen Moore dadurch mehr Biomasse als abgebaut wird. Sichtbar wird diese "Überproduktion" an immer mächtigeren Torfschichten, verbunden mit einer teilweisen Aufwölbung des Moorkörpers.

(1) Stillgewässer
(2) Flach-/Niedermoor
(3) Zwischenmoor
(4) Hochmoor



Charakteristisch für Moore sind extreme Standortverhältnisse:

  • dauernde Vernässung der Bodenschichten bei gleichzeitigem Luftmangel
  • saures Bodenwasser (niedriger pH-Wert) und niedrige Bodentemperaturen
  • Nährstoffarmut und starke Temperaturdifferenzen.

    Nur speziell angepasste Lebensgemeinschaften aus robusten Spezialisten können unter diesen harten Bedingungen überdauern. Einige dieser Überlebenskünstler werden Ihnen später begegnen.


    Wie entstehen Moore?

    Ein großer Teil unserer heimischen Moore ist aus Seen (1) entstanden. Von der Verlandung über eine Sumpflandschaft bis hin zum Moor vergehen dabei einige hundert bis mehrere tausend Jahre.

    Erstes Zwischenstadium auf diesem Weg ist die Bildung eines Flach- oder Niedermoores (2). Ausgedehnte Schilfbereiche sowie Seggen, Binsen und krautige Pflanzen dominieren. Die Nährstoffversorgung ist noch gut, das Pflanzenwachstum und die Artenvielfalt üppig.

    In den ständig durchfeuchteten Beständen breiten sich nach und nach Torfmoose aus. Unter Luftabschluss entstehen ausgeprägte Torfschichten. Nur tief wurzelnde Pflanzen haben noch Kontakt zum Grundwasser. Ein sogenanntes Zwischenmoor (3) ist entstanden, Nährstoffgehalt und pH-Wert sinken rapide.

    Mit dem weiteren, uhrglasförmigen Emporwachsen der Mooroberfläche wird die Verbindung zum Grundwasser schließlich vollständig unterbrochen. Die Wasserversorgung erfolgt fortan nur noch durch das fast nährstofffreie Regenwasser. Nur ganz wenige Spezialisten können in solchen Hochmooren (4) überleben.

    Auch das "Prackendorfer und Kulzer Moos" hat seinen Ursprung wahrscheinlich in einer offenen, nicht sehr tiefen Wasserfläche, die wegen ihrer Muldenlage und wasserstauender Schichten im Untergrund allmählich verlandete. Alle Moortypen sind hier vertreten.

    Abhängig vom Nährstoff- und Wassergehalt des Bodens sowie seiner nutzungsbedingten Vergangenheit findet man deshalb ganz unterschiedliche Vegetationsformen. Offene Bereiche mit wassergefüllten Vertiefungen und herausspitzenden Torfmoospolstern wechseln sich ab mit dichten Moorwäldern, bunte Wiesenflächen werden abgelöst von artenreichen Magerrasen oder Staudenfluren.


    Welche Bedeutung hat ein Moor?

    Moorlandschaften gehören heute zu den seltensten und wertvollsten Landschaftselementen. Sie erfüllen zahlreiche Funktionen im Naturhaushalt und haben auch für die Erforschung der Erdgeschichte große Bedeutung. Insbesondere zeichnen sich Moore aus als

  • Wasserspeicher
  • Lebnsraum hochangepasster Tier- und Plfanzenarten
       (einige Eiszeitrelikte konnten nur in Mooren überdauern)
  • kleinklimatische Ausgleichsflächen
  • Brennstofflieferant
  • wertvolle Zeugen der Vergangenheit
       (Konservierung von alten Kulturgegenständen u. Pflanzenresten
       der letzten 4000 - 5000 Jahre)

    Damit sind auch Rückschlüsse auf das jeweils herrschende Klima sowie die Auswirkungen des wirtschaftenden Menschen auf die Planzendecke möglich.

     

    Pfeifengrasbrache/Streuwiese

    Auf dem bisherigen Weg ist Ihnen sicher ein Gras besonders aufgefallen, das sich durch seine großen Horste und strahlig nach allen Richtungen abstehenden Halme hervorhebt. Hier haben wir es mit dem Pfeifengras zu tun. man findet es vor allem an wechselfeuchten Standorten, wie den alten Stichwegen oder der ehemaligen Torfdarre vor uns. Reizvoll ist vor allem seine braun-rote Herbstfärbung.

    Der Name kommt daher, dass Pfeifengräser auf Grund ihrer langen und bis fast zur Wurzelbasis kntoenfreien Halme gerne zum Reinigen der früher beliebten, langen Pfeifen verwendet wurden. Auch zu Besen sind die herbstlich harten, widerstandsfähigen Stoppeln verarbeitet worden.

    Wegen seiner beträchtlichen Konkurrenzkraft duldet das Gras in Brachestadien kaum andere Begleiter neben sich. Vereinzelt können sich mit der Besenheide und der Blutwurz - der Name des alten Hausmittels stammt vom rötlichen Wurzelsaft beim Auskochen - zwei Arten hinzugesellen, die ebenfalls in eher trockenen Moorbereichen vorkommen.



    Blutwurz
    (Potentilla erecta)
    Höhe: bis 30 cm
    Blütezeit: Mai-August

    Lungenenzian
    (Gentiana pneumonanthe)
    Höhe: 15 - 40 cm
    Blütezeit: Juli-September

    Besenheide
    (Calluna vulgaris)
    Höhe: bis 30 cm
    Blütezeit: Juli-September


    Dei freie Fläche im Vordergrund wurde nach Beendigung der Torflagerung noch regelmäßig, und zwar im Herbst, gemäht. Das gewonnene Mähgut fand dann im Stall als Einstreu und Strohersatz Verwendung. Noch weitaus großflächiger wurde die Streunutzung in den besser nutzbaren - da weniger nassen Randbereichen - betrieben (Niedermoorstandorte östlich der Straße Kulz-Dautersdorf).

    Die Herbstmahd ohne zusätzliche Düngung führte hier zu einer fortschreitenden Nährstoffverarmung und damit zu immer ertragsärmeren, aber blumenreichen Wiesen. Das Rot der Knabenkräuter wird dabei abgelöst vom Gelb der Schwarzwurzel und Arnika; spät im Jahr entfalten Lungenenzian, Teufelsabbiss und Heilziest ihre Blütenköpfe.

    Wie diese Arten ist auch das Pfeifengras an den späten Schnitt angepasst. Die Nährstoffe werden schon im Sommer in oberflächennahe bzw. unterirdische Organe zurückverlagert, fallen also der Herbstmahd nicht zum Opfer. Im folgenden Jahr kann der Nährstoffvorrat dann ohne Verluste wieder mobilisiert werden.
     


    Breitblättriges Knabenkraut
    (Cactylorhiza majalis)
    Höhe: 15 - 40 cm
    Blütezeit: Mai-Juni

    Niedrige Schwarzwurzel
    (Scorzonera humilis)
    Höhe: 10-40 cm
    Blütezeit: Mai-Juni

    Gewöhnlicher Teufelsabbiss
    (Succisa pratensis)
    Höhe: ca. 30 cm
    Blütezeit: Juni-September

    Großer Wiesenknopf
    (Sanguisorba officinalis)
    Höhe: 30-100 cm
    Blütezeit: Juni-September

    Heilziest
    (Stachys officinalis)
    Höhe: 20-70 cm
    Blütezeit: Juni-August

    Ein interessaner Tagfalter der Pfeifengraswiesen ist der Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Er besticht durch seine besondere Fortpflanzungsbiologie. Nach dem Schlüpfen bohren sich die kleinen Raupen in Blütenknospen des Großen Wiesenknopfes. 2 bis 3 Wochen später und um einiges dicker, lassen sie sich dann kurz vor der Dämmerung wieder aus der Blume fallen. Einige der Raupen werden schließlich von Ameisen gefunden, in deren Nest getragen und wie Eigenbrut behandelt. Nach der Verpuppung schlüpfen im Juli die fertigen Schmetterlinge.


    Wiesenknopf-Ameisenbläuling
    (Maculinea nausithous)
    Größe: ca. 3 cm

    Pfeiengras
    (Molinia caerulea)
    Höhe: bis 200 cm

    Arnika
    (Arnica montana)
    Höhe: ca. 40 cm
    Blütezeit: Juli-August

    Im "Prackendorfer und Kulzer Moos" sind artenreiche Streuwiesen nur noch vereinzelt und sehr kleinflächig zu finden. Für den Artenschutz haben sie herausragende Bedeutung. Der größte Teil ist aber durch Düngung heute in produktive Mehrschnittwiesen überführt worden. Pflegemaßnahmen sollen helfen, die letzten Reste zu erhalten.

     

    Torfstich

    Torfnutzung hat Tradition

    Seit ca. 4.000 Jahren unterliegen Moorflächen in Mitteleuropa einer mehr oder minder intensiven Nutzung. Bereits seit Beginn der Bronzezeit erfolgte Brenntorfgewinnung. Luftgetrocknete, ziegelförmige Torfstücke bildeten eine Grundvoraussetzung für die Kupfer- und Zinnschmelze zur Bronzeherstellung.

    Die Torfnutzung in großem Umfang setzte sich aber erst mit der Holzverknappung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch, bis sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Kohlefeuerung allmählich abgelöst wurde.

    Im Kulzer Moos reicht die Torfgewinnung mindestens bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits 1868 wurde die durchschnittlich 3-4 m mächtige Torfdecke auf einer Fläche von ca. 198 Tagwerk (66 ha) genutzt, vorzugsweise in den Monaten Mai bis Juli. Im August erfolgte mit Ochsenkarren der Abtransport. Hierzu wurden jene Wege benutzt, die uns heute als Lehrpfad dienen. In manchen Jahren haben bis zu 200 Menschen im Moor gearbeitet.

    Die heute verfallene Ziegelei am Nordrand des Kulzer Mooses nahm ihren Betrieb etwa um 1900 auf. Bei der Ziegelherstellung wurde auch Brenntorf aus dem Moor gefeuert. Nach dem 2. Weltkrieg musste sie wegen Unrentabilität aufgegeben weren. Anfang der 60er Jahre endete schließlich auch die Torfnutzung im Gebiet.


    Torfstechen war Knochenarbeit

    Dem Handtorfstich ging eine weitläufige Entwässerung des Gebietes durch ein verzweigtes Grabensystem voran. Zunächst musste die nicht nutzbare, stark durchwurzelte Deckschicht abgehoben werden. Sie fand als "Bunkerde" zur Verfüllung bereits ausgebeuteter Torfstiche Verwendung. Jetzt erst konnte der anstehene Torf gestochen bzw. bei zu flüssiger Form in Holzrahmen "gemodelt" werden. Dei Abtorfung vorher geräumter, durch Zwischendämme abgetrennter Flächen erfolgte immer Richtung Erschließungsweg, in dessen Nähe sich Lagerplatz und Torfdarre befanden.

    Rechts von uns sehen wir einen solchen Ort zum Trocknen der Torfziegel. Die leicht gewölbte Form rührt von Verarbeitungsresten bzw. zerfallenen Torfstücken her. Diese wurden zu Stapeln aufgestockt, wobei sich jeweils nur die Enden berührten, um eine möglichst effiziente Durchlüftung zu gewährleisten. Gelegentlich war auch ein Umschichten (Ringeln) notwendig.

    Wahrscheinlich auf Grund umfangreicher Einträge saurer Wässer während der Torflagerung ist die gesamte Lagerfläche bis heute unbewachsen.

     
    Handtorfstich während des Abbaus
    Handtorfstich nach Abbauende

    Umweltschutz durch Torfverzicht

    Auch heute ncoh werden jährlich mehr als 11 Mio. m³ Torf abgebaut, nun jedoch fast ausschließlich maschinell mit modernen Stechapparaten oder Fräsen. Als Lieferant organischer Substanz zur Bodenverbesserung sind Moorsubstrate vor allem im Gartenbau leider nach wie vor sehr gefragt. Die gleichwertige Verwendung von Kompost ist ein aktiver Beitrag zur Moorerhaltung, der auch von jedem Gärtner geleistet werden sollte. Jeder, der einen Ballen Torf kauf, trägt zur Vernichtung einer der wertvollsten und seltensten Lebensräume unserer Landschaft bei!!
     

    Zwischenmoor/Niedermoor

    Torfmoose - ein Winzling als Baumeister

    Wir stehen hier zwischen zwei ehemaligen Torfstichen. Nach Beendigung des Torfabbaus haben sich die Mulden wieder mit Wasser gefüllt. Die Verlandung der Tümpel ist bereits deutlich fortgeschritten.

    Mit seiner hellgrünen Farbe fällt uns der von den Rändern vordringende Torfmoos-Teppich sofort ins Auge. Als Hauptbestandteil von Zwischen- und Hochmooren ist das Torfmoos hervorragend an die extremen Bedingungen dieser Standorte angepasst. Vor allem drei Eigenschaften verschaffen dem hochspezialisierten Winzling - von dem es in Deutschland mehr als 30 unterschiedliche Vertreter gibt (auch gelbbraune bis rote Formen) - Konkurrenzvorteile:


  • Torfmoose nehmen selbst geringste Mengen Nährsalze auf und geben im Gegenzug Wasserstoffionen an die Umgebung ab, die für die zunehmend saure und damit für andere Pflanzen immer lebensfeindlichere Reatktion des Wassers verantwortlich sind. Konkurrenten werden im Wuchs gehindert.

  • Torfmoose wachsen mit ihrer schopfartigen Spross-Spitze praktisch grenzenlos und sterben an der Basis wegen Luftabschluss wieder ab. Der nur unvollständige Abbau der Pflanzenteile lässt immer mächtigere Torflager entstehen, die durch immer neue Torfmoosjahrgänge nach und nach zusammengepresst werden. Insgesamt beträgt das Höhenwachstum eines intakten Moores etwa 0,5 - 1,5 mm pro Jahr, d. h. 1 m Torf braucht zu seiner Entstehung etwa 1.000 Jahre.

  • Torfmoose sind in der Lage, das 30-fache ihres Eigengewichts an Wasser zu speichern. Im Gegensatz zu höheren Pflanzen besitzen sie keine Saugwurzeln, sondern nehmen die Feuchtigkeit direkt mit ihren Blättern auf.
  • Nur Überlebenskünstler haben eine Chance

    Wollen andere Pflanzen zwischen den Torfmoospolstern gedeihen, müssen sie zur Nährstoffbeschaffung spezielle Tricks anwenden. Eine besondere Perfektion hat dabei der Sonnentau entwickelt. Das kleine Pflänzchen mit seinen unscheinbaren, weißen Blüten gehört zur Gruppe der fleischfressenden Pflanzen. Die Blätter tragen auf kleinen Stielchen zahlreiche klebrige Verdauungsdrüsen.

    Gerät ein Insekt in diese roten Klebefallen, wird es von den Drüsenhaaren umschlossen und fast vollständig verdaut. Auf diese Weise deckt der Sonnentau einen Teil seines Stickstoffbedarfs aus dem Eiweißgehalt der Beutetiere. Bei genauerem Hinsehen können Sie den Lebenskünstler im Torfmoos-Teppich direkt vor Ihnen entdecken. Bitte nicht entfernen! Diese Pflanze gedeiht nur im Moor!

    Mit seinen kleinen, länglichen Blättchen versteckt sich hier noch ein weiterer charakteritischer Vertreter der Zwischenmoore, die Moosbeere. Der kriechende Zwergstrauch gehört zur Familie der Heidekrautgewächse, die auf lokal trockeneren Stellen im Moor gedeihen. Die Moosbeere hat sich ebenfalls an die schwierigen Lebensbedingungen angepasst. Das Problem der Nährstoffarmut löst sie durch Zusammenleben der Wurzeln mit einem Pilz (sog. Mykorrhiza). Diese Symbiose ermöglicht ihr die effiziente Aufnahme der spärlichen Bodennährstoffe.

    Mehr dem Niedermoorbereich zuzurechnen sind die Pflanzenbestände im Hintergrund. Im Sommer entzückt hier das Wollgras mit seinen weißen, nickenden Wollschöpfen. Wie viele Moorgräser und Seggen gehört es zur Familie der Sauergräser. Auch die Flatterbinse ist reichlich vertreten. Bunte Farbtupfer im Frühjahr und Frühsommer setzen vor allem Fieberklee und Moorveilchen, später auch das besonders im verlandeten, kleineren Torfstich hinter uns üppig wuchernde Sumpf-Blutauge.

    Spieß - Torfmoos
    (Sphangnum cuspidatum)

    Flatterbinse
    (Juncus effusus)
    Höhe: 30 - 120 cm

    Schmalblättriges Wollgras
    (Eriophorum angustifolium)
    Höhe: bis 70 cm
    Fruchtreife: ab Juni

    Schnabelsegge
    (Carex rostrata)
    Höhe: 30 - 100 cm

    Fieberklee
    (Menyanthes trifoliata)
    Höhe: bis 30 cm
    Blütezeit: April-Mai

    Rundblättriger Sonnentau
    (Drosera rotundifolia)
    Höhe: 5 - 25 cm
    Blütezeit: Juni-August

    Sumpf - Blutauge
    (Comarum palustre)
    Höhe: bis 30 cm
    Blütezeit: Juni-August

    Moosbeere
    (Oxycossos palustris)
    Triebe: bis 80 cm lang
    Blütezeit: Mai-Juni

    Moorveilchen
    (Viola palustris)
    Höhe: 10 cm
    Blütezeit: Mai-Juni
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